Gülle und anderer Müll

Gülle und anderer Müll …

Passend zu den Gerüchen in der liebevollen Eifel hier, möchte ich jetzt Mal ein wenig davon berichten, was Gülle, Jauche – oder wie man die Ausflüsse und Exkremente der Tierindustrie auch immer nennen mag – alles anrichten kann und wieso wir etwas dagegen tun sollen.

Gülle überall :(

Gülle überall 🙁

Diese Woche sind die Temperaturen, erstmals für diesen Winter, täglich unter Null Grad gesunken. Jeden Morgen musste man das Auto enteisen und die dicke Wollmütze über die Glatze ziehen. Bei diesen Temperaturen ist natürlich nicht nur uns Menschen eisig kalt, sondern auch einigen anderen Lebensformen: Pflanzen stellen ihr Wachstum ein und Tiere werden zumeist in den Stall geholt (sofern möglich).

Daher wundert es mich als Beobachter und Bewohner der landwirtschaftlich geprägten Eifel, dass einige Bauern momentan Gülle auf ihre Felder fahren. War da nicht was? – Ach, ja: Dünger (für den man i.d.R. Gülle hält) kann von Pflanzen nur aufgenommen werden, wenn sie sich auch aktiv in der Photosynthese befinden. Klar ist damit, dass die Natrium-, Stickstoff-, Kalium- und Phosphorhaltige, braune Suppe besonders gut im Frühjahr bis Sommer auszubringen ist – denn nur in diesen Jahreszeiten kann sie erfolgreich und sinnvoll aufgenommen werden vom Boden und den Pflanzen. Der Winter ist bewiesenermaßen die schlechteste Jahreszeit, um Düngemittel (= Gülle) zu verwenden, da es dann zur Ausschwemmung / Auswaschung kommen kann. Der traurige Effekt davon ist nicht nur Fischsterben, sondern auch ein stark belastetes Trinkwasser.

Nun gibt es Exemplare von Landwirten, die besonders gerne Gülle ausfahren. Da ist es dann auch Mal egal, ob’s jetzt gerade passt oder nicht, denn: “Wenn die Pötte voll sind – muss es ja raus!”. Dabei gab es doch schon in den 90er Jahren ein Düngemittelgesetz (oder heute “Düngeverordnung” DüV), worin eine Mindestlagerkapazität für den Tierdung geregelt ist: In Sperrzeiten darf nicht gefahren werden, sondern es muss ein Platz vorhanden sein, um erhebliche Mengen Gülle zurückzuhalten. Wer es trotzdem riskiert, riskiert damit auch eine Anzeige.

Nur, weil ein Bauer zu wenig Raum für Gülle und Mist hat, heißt das noch lange nicht, dass er es einfach verteilen darf! Der Sachverständigenrat für Umweltfragen befürwortet sogar eine Verlängerung der Sperrzeit und eine gleichzeitige Erhöhung der Mindestlagerkapazität in der DüV (S. 14)

Ganz abgesehen davon, dass die Art und Weise der Ausbringung, der rund 200 Millionen Tonnen Dreck, alles andere, als “Effektiv” ist, stinkt das Zeug immens. Beim Standardverfahren der Breitverteilung, wird die Kacke mit Druck gegen eine Art Schild gedrückt und in die Luft geschleudert. Dabei entsteht eine gewaltige Geruchsemission, die sicherlich nicht nur mir, so manches Mal den Atem genommen hat. Ineffektiv ist das Güllefahren mit einem Breitverteiler deshalb, weil v.a. Stickstoff-Verbindungen sich leicht verflüchtigen. Aber, da unsere Regierung nicht ganz auf die Birne gefallen ist, sind Breitverteiler spätestens ab 2016 verboten und eine Neuanschaffung ist jetzt schon nicht mehr möglich.

Viel besser hingegen, ist die “Bodennahe Verteilung“: Eine Art Schleppschlauch sprüht den Dünger direkt auf das Land und setzt damit die Geruchsbelästigung um 25% bis 90% (!) herab und die Wirksamkeit nach oben. Letzteres gilt natürlich nur, wenn besagte Pflanzenwelt auch überhaupt etwas mit dem Flüssigdünger anfangen kann. Und von der Seite der Landwirte aus gesehen, ist bei kleinen Flächen das Güllefahren mit Breitverteiler um einiges günstiger – jedoch bei rauen Mengen, punkten ganz klar Effektivität, Geruchseindämmung und Verfahrensweise der anderen Systeme.

Egal, wie ausschweifend ich noch schreiben würde, der eine Fakt bleibt unumgänglich: Sperrfristen werden nicht eingehalten, alte, ineffektive Systeme werden verwendet und folglich leidet jeder von uns, der in einer ländlichen Region wohnt darunter.

Dabei gibt es inzwischen auch neue Methoden, um noch das kleinste Fünkchen Energie aus augenscheinlich “unverwertbarer Abfallmasse” zu quetschen: An der Weser gibt es ein Projekt, in dem ein Reaktor aus Gülle Energie macht. Denn “Upcycling” ist nicht nur im Meer IN: Dort werden schon seit einigen Jahren “neue Märkte” erschlossen, auf denen einerseits große Mengen an Abfall aus den Ozeanen gefischt werden und andererseits daraus wieder Energie gemacht wird. Früher brachte man alles auf die Deponien und erst gegen Ende des letzten Jahrtausends machte man sich Gedanken darüber, was man denn noch so alles mit Müll machen kann. Aus rund 2,5 Milliarden Tonnen Abfall könnten, laut Schätzungen, mehr als 50% der Jahresenergie in Deutschland gewonnen werden. Das wäre eine Alternative, anstatt den giftigen Müll einfach unter die Erde zu karren, um ihn vor unserem sensiblen Auge zu verstecken.

Meine grandiose Zusammenfassung:

Gülle …
a) hat zu dieser Jahreszeit (WINTER) nichts auf dem Feld zu suchen (schon gar nicht auf Weideflächen, auf denen in zwei Wochen wieder Tiere stehen!)
b) bringt erhebliche Umweltrisiken mit sich: enorme Geruchsbelästigung, bei Überdosierung, eine Ausschwemmung und damit Vergiftung des Grundwassers, sowie einer Gefahr für die Tiere, die Widerwillen belastetes Futter zu sich nehmen
c) kann mehr als nur stinken und sollte weiter verwertet werden: Das Projekt aus Torgelow zeigt, was geht!
d) während der Sperrzeit nicht ausgebracht werden darf und jeder Bauer sich strafbar macht, wenn er es doch tut – mangels Lagerkapazität oder besseren Wissens.
e) und dessen Verarbeitung sollte besser “reguliert” werden und nicht nur, wie Scheiße behandelt werden!

edit:
ich mag übrigens Kommentare – ob das negative oder positive sind … nur bitte konstruktiv sollte es sein.