Werther Effekt - über Suizid schreiben ist uncool

Werther Effekt

An einem Bahnübergang starb der Sportler Robert Enke 2009

Ich habe schon Mal über die Berichterstattung nach Enkes Tod geschrieben – Aber da ich’s im BildBlog gesehen habe, hier einige Interessante Sachen von einem Journalisten:

 

“Selbstmord ist ansteckend. Berichterstattung über Suizide erhöht die Zahl der Suizide. Das ist der sogenannte „Werther”-Effekt, benannt nach Goethes Roman. Nachdem er erschienen war, soll sich eine Reihe von Lesern in ähnlicher Form das Leben genommen haben wie die liebeskranke Titelfigur.” – so steht es im Blog des Journalisten Stefan Niggemeier.

 

Er schreibt über den Werther-Effekt, interessante Beispiele und um das, was Robert Enkes Tod im November des vergangenen Jahres für die Selbstmordraten bedeuten kann.

 

Auszüge

 

“Je länger und prominenter über den Suizid berichtet wurde, umso größer war der folgende Anstieg der Selbstmordrate. Wenn ein Selbstmord nur in New York groß auf der Titelseite behandelt wurde, nicht aber in Chicago, stieg die Zahl der Selbstmorde in New York stärker als in Chicago. Während eines neunmonatigen Zeitungsstreiks in Detroit 1967/68 sank die Zahl der Selbstmorde hier signifikant.”

 

Niggemeier ist ebenso der Meinung, dass über Suizidfälle nicht berichtet werden soll. Er greift auch auf, dass es laut vielen Journalisten zur (stupiden) Berichterstattung gehört, jedoch man auch als Schreiberling die Folgen (= vorauszusehende Steigerung der Selbstmordrate) seines Handeln nicht von sich weisen darf.

 

“[…] Man könnte den Eindruck haben, eine ganze Branche hätte sich zu einem großen Feldversuch entschlossen, einmal zu testen, wie weit sich die Zahl der Selbstmörder in die Höhe treiben lässt […].”

 

Jedoch gibt es auch ganz unten einen interessanten Kommentar (290.):

 

“Wie immer in der Soziologie sind die Studien, die auch Grundlage für den obigen Blogeintrag sind, abhängig vom Untersuchungsdesign. Vor allem die Untersuchung (Schmidtke/Häfner 1986), welche den 175% Anstieg der jugendlichen Eisenbahnsuizide […] behauptet, steckt so voller methodischer Ungereimtheiten, dass es den Anschein hat, die Autoren hätten auf möglichst durchschlagende Ergebnisse hingearbeitet.”

 

Ich für meinen Teil würde den Werther-Effekt zwar nicht leugnen, jedoch sollte man, die Möglichkeit der SuizidratenSteigerung beim Schreiben in Betracht ziehen. Auch wenn diese Statistiken, wie vermutlich jede Zweite über die Wirtschaftskrise, etwas frisiert sein könnten …