Totalbefreiung.

Das folgende Pamphlet musste ich einfach verfassen, sorry …

Tierschutz-Organisationen

Es gibt nichts schlimmeres für mich, als die Beiträge von Tierschutzorganisationen zu entdecken: Meist geht es um zweifelhafte Kampagnen (bspw. reformistische oder spezizistische Kampagnen) oder Petitionssammlungen für mehr vegane Produkte oder Spendensammlungen in kürzester Zeit (“binge-donating” wäre Neologismus angebracht). Und dann noch die alljährlichen “Abschlussberichte” oder “Transparenzberichte”, die vor allem eines Bringen: Noch mehr Spenden und noch mehr “Effektiven Altruismus” (in seiner Reinform).
Damit werden “die Großen” immer lauter und die kleinen, radikaleren Vereinigungen werden langsam “ausgehungert”.

Zahlenwirrwarr

Natürlich ist es gut, zu wissen, ob Kampagnen funktionieren und diese eine gewisse Zielgruppe erreichen. Aber wir verlaufen uns immer mehr in einem “das ist effektiv und das ist am effektivsten”-Irrgarten: Es geht nicht darum, tatsächlich Tiere zu retten oder für soziale Gerechtigkeit einzustehen – es geht viel mehr um (zweifelhafte) Zahlen, um das eigene Handeln zu rechtfertigen.
Wir füttern To-Do-Listen, um uns am Ende des Tages besser zu fühlen, weil wir “so viel geschafft” haben. Aber was haben wir geschafft? – Doch nur unsere eigenen, selbst erstellten Aufgaben erledigt, right?
Impressionen und geteilte/gelikte Links werden viel zu oft mit Aktivismus gleichgesetzt.

Dazu ein Exkurs:

Facebook zählt jeden View eines Videos – ob nun komplett angesehen, für zwei Sekunden, ohne oder mit Ton oder einfach beim Durchscrollen kurz aufgeblitzt ist dabei vollkommen egal. Davon dann auch noch auszugehen, dass diese “Reichweite” Menschen zum Handeln bringt ist wirklich schwach. [Facebook war nur ein Beispiel – beim Fernsehkonsum gilt mehr- oder weniger das Gleiche.]
Anderes Beispiel: Ich bekomme einige Newsletter am Tag. Wie viele davon lese ich? Wie viele Links in den Mails klicke ich? – Ihr wollt es besser nicht hören. Trotzdem können die Versender mit einer “Subscriber”-Zahl werben, in der auch ich drin bin.

“Effektiver” wäre es, wenn wir da draußen friedliche Revolutionen anzetteln würden. Jeden Tag. Alleine das wäre nachhaltig.

Altruismus

Und nun plädiere ich doch im Sinne von einigen “effektiven Altruistinnen”: Tierleid fängt nicht bei sogenannten Nutztieren an, denn es gibt bereits kleinste Lebewesen, die wir schätzen müssen. Darum ist eine Maximalforderung wie das “Ende jeglicher Tierausbeutung – inklusive Insekten” die einzige Zukunftsträchtige.
Natürlich: Wir können nicht immer darum betteln, dass ein paar vegane Häppchen oder vegane Testwochen die Menschen überzeugen, endgültig allem Tierleid den Rücken zu kehren. Doch oft erkaufen wir uns mit diesen Ausnahmen eine Verstärkung der Istzustände. Es gibt einfach heute keinen Grund in einer westlich geprägten Welt auf Nahrungsmittel mit Lebewesen zurück zu greifen. Punkt. Basta.
Eine (vegan-freundliche) Studie, sagt aus, dass “Veränderungen im (Ess-)Verhalten von Menschen eher und nachhaltiger erfolgen, wenn diese schrittweise vorgenommen werden”.
Wir können diese schrittweise Umstellung aber auch erreichen, wenn wir trotzdem eine Maximalforderung, wie beispielsweise die Totalbefreiung fordern.

Beispiel: Autofahren

Beispielsweise könnten wir mit Recht behaupten “Autofahren tötet und treibt den Klimawandel voran” und gleichzeitig fordern “fahrt kein Auto mehr!”. Total die radikale Forderung, was? Aber keiner würde auf die Idee kommen, diese berechtigte Maxime dogmatisch zu übernehmen, oder?
Wir alle müssen essen, trinken und auch Mal zum Arzt. Deshalb *müssen* wir irgendwann auch auf ein Automobil zurück greifen. Dennoch bleibt die Maximalforderung bestehen und wir versuchen uns damit lediglich suckzeesive an diese heran zu arbeiten. Von heute auf morgen können wir in dieser Welt nicht ohne Transportmittel leben.
Die Option “weniger Autofahren” ist Teil unserer höchsten Forderung nach “fahrt gar kein Auto mehr!”. Aber wir müssen sie nicht propagieren, weil sie die logische Konsequenz, solange die Welt nicht autofrei ist.

Systeme abschaffen

Natürlich sind wir dafür, dass Leid reduziert werden muss. Aber ganz im Ernst: Wir haben so viele Organisationen rund um die Welt, die mit Millionen Spendengeldern doch so erschreckend wenig erreicht haben: Tierschutzstandards stagnieren, Fleischproduktion steigt immer weiter und auch Arbeiterinnen werden immer weiter ausgebeutet. Ohne nennenswerte, öffentliche Eklats.
Als Beispiel kann ich hier die Käfighaltung nennen, die noch wider besseren Wissen vieler Menschen nicht abgeschafft wurde, sondern nur auf andere Haltungsformen umverteilt wurde. Wir haben es ja angeboten: “Verzichten Sie auf Käfigeier -“, impliziert heißt es weiter: “- und steigen Sie auf Bodenhaltung um!”.

Es wird einfach Zeit für eine radikale Abschaffung von Ausbeutungssystemen. Wenn wir also “Mehrwert” oder “Effizienz” fordern und sie mit kapitalistischen Idealen weiter fördern, dann wird sich überhaupt nichts an der Unterjochung von Leben und Umwelt ändern. Wenn Tierschutzvereine fordern “weniger Fleisch” zu essen, dann sollten wir entgegnen: “Esst gar kein Fleisch und verzichtet auf alle Tierprodukte!”.

Und genau hier soll es nicht aufhören:

Totalbefreiung. Sonst nichts. (CC2.0)

Jedes Tier – ob Mensch oder nicht – darf nicht ausgebeutet, ausgenutzt, betrogen und auch nicht derart “bemessen” werden, wie es aktuell gegeben ist. Deshalb müssen wir gegen den Status Quo ankämpfen (verbal). Wir haben ein kaputtes System, das nicht erhaltenswürdig ist. Deshalb sind lasche Reformen keine Lösung. Neu machen! schon eher

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