Vegan ist mehr als nur ein Trend …

In unserem Hochschulmagazin “Campino” gab es dieses mal das Thema “Nachhaltigkeit”. Ein Begriff, der so ausgelutscht und ausgeleihert ist, dass es schmerzt. Grund genug also einen Beitrag über die “magic bullet” (Zitat von Moby) zu machen:

VEGAN – MEHR ALS EIN TREND

Das kleine Wörtchen „vegan“ erfreut sich inzwischen immer größer werdender Beliebtheit: Die Autoren von Kochbüchern, Magazinen und Internetseiten, aber auch Restaurants und Supermarktketten haben Geschmack an diesem Wort und dem Thema dahinter gefunden.

Vegan bedeutet, dass Menschen gänzlich auf tierische- oder an Tieren getestete Produkte verzichten – beim Essen, aber ebenso auch beim Kauf der Kleidung oder der Wahl der Hygieneartikel. Diese Lebensart wird inzwischen immer populärer. Unter anderem, da das Thema Massentierhaltung dauerhaft auf Widerstand in der Bevölkerung stößt: Die Art und Weise wie die insgesamt 830 Millionen Tiere pro Jahr gehalten und anschließend geschlachtet[1] werden, regt starke Emotionen bei jedem Menschen – ob Fleischesser oder Veganer. Das ist ein Grund warum der Fleischkonsum in einigen Ländern Jahr für Jahr sinkt.[2]

Knapp 800 Millionen Tiere werden jährlich in Deutschland "geschlachtet"FAKTENCHECK­

In den Jahren 2014 und 2015 wurden insgesamt 279,5 Millionen Tonnen Getreide in der EU angebaut. Davon wurden 61,5 % als Tierfutter genutzt und im Vergleich nur 23,5 % als direktes Nahrungsmittel.[3] Damit kann ganz salopp gesagt werden, dass immense Ressourcen verschwendet werden um „tierische Produkte“ herzustellen.

Dazu kommt, dass rund 98 % der weltweiten Sojaernte werden für die Fütterung von sogenannten Nutztieren verbraucht wird.[4] Ganz zu schweigen vom immensen Wasserverbrauch: Ein Kilogramm Fleisch „zu produzieren“ verbraucht über 15.500 Liter wertvolles Trinkwasser, ein Kilo Käse rund 5.000 Liter. Im Gegensatz dazu werden für den Anbau der gleichen Menge Kartoffeln nur 255 Liter benötigt.[5]

Die Landwirtschafts- und Welternährungsorganisation FAO äußerte bereits 2006, dass die sogenannte Viehhaltung in großem Maße an der Emission von Treibhausgasen schuld ist: 18 % des vom Menschen verursachten Treibhauseffekts werden auf die intensive Tierhaltung in der Landwirtschaft zurückgeführt. [6]

AUFKLÄRUNG UND PROBIEREN

Der größte Anteil des in Europa geernteten Getreides geht wird als Tiernahrung verwendetVor allem junge Menschen wollen wissen, woher ihr Essen kommt welche Ressourcen es verbraucht. Bei Fleisch ist und bleibt dies eine undurchsichtige Angelegenheit: Wir wissen höchstens in welchem Stall diese Individuen gelebt haben, aber man erfährt in den seltensten Fällen, wie die Tiere gepflegt, gehalten und auch gefüttert wurden. Denn selbst der „Bauer von nebenan“ besitzt heute meist eine Art industrieller Tieraufzucht mit Betonboden, Kraftfutter und automatisierten Abläufen fürs Melken, Füttern oder Eier-sammeln.

Um über diese Zustände zu informieren, hat sich vor einigen Jahren das PETA ZWEI Streetteam in Trier[7] gegründet. Eva Jakobs ist die Leiterin der ehrenamtlichen Gruppe von AktivistInnen und studiert am Paulusplatz Kommunikationsdesign. Sie lebt seit drei Jahren vegan und setzt sich neben dem Studium für Tierrechte ein, um Menschen hier zu informieren: „Manche unserer Aktionen sind provokant. Ob diese Art einem gefällt oder nicht, darüber lässt sich streiten. Was wir aber definitiv erreichen, sind Reaktionen.“

Für Jakobs sind genau diese Reaktionen das Wichtigste. Denn eigentlich weiß jeder Mensch über die grausamen Bedingungen in der Tierhaltung bescheid. „Aber man kennt das ja“, erklärt die Leiterin des ehrenamtlichen Streetteams. „Im Punkt Verdrängung ist man meisterhaft. Doch irgendwann kann man die unzähligen Bilder und Videos einfach nicht mehr ignorieren.“

Deshalb stehen die jungen, freiwilligen Menschen jeden Monat in der Trierer Innenstadt und informieren, diskutieren oder bieten vegane Snacks zum Probieren an.

Lediglich in der Mensa des Campus für Gestaltung am Irminenfreihof könnte das vegane Angebot noch um einiges besser sein. Dort gibt es manchmal vegane Angebote – aber öfter gibt es auch nur die unspektakuläre Beilage. „Anders sieht das Angebot in der Mensa am Schneidershof aus“, meint Jakobs. „Dort gibt es immer ein veganes Essen und auch Besonderheiten wie vegane Schokolade im Automat, oder Sojamilch für den Kaffee.“

Der Wasserverbrauch für Gemüse ist um einiges geringer, als für die gleiche Menge Fleisch

GASTRONOMIE DER HOCHSCHULE

Das vegane Angebot wird schon seit einigen Jahren immer weiter durch das Studiwerk Trier ausgebaut: Im Jahr 2014 gab es sogar den zweiten Platz für die vegan-freundliche Mensa im deutschlandweiten Ranking der Tierrechtsorganisation PETA.[8]Großverpflegung vegan - ein Leitfaden der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

„Durch zusätzliche Schulungen unserer Köche konnten wir unsere MitarbeiterInnen zusätzlich qualifizieren“, erläutert Petra Longen vom Studiwerk Trier, das für alle Mensen der beiden Hochschulen zuständig ist.

Mit Hilfe von Aktionswochen oder auch veganen Kochkursen – im Zusammenspiel mit dem Ökoreferat – weist das Studiwerk in den Kantinen immer wieder auf den wichtigen Faktor Ernährung für die Nachhaltigkeit hin.

Mit Unterstützung eines Studenten für Intermedia Design, hat die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt mit Sitz in Berlin einen Leitfaden entwickelt, der es Mensa-, Kantinen- oder anderen Großverpflegungsköchen einfacher macht, mit veganen, Umwelt- und Tierfreundlichen Speisen in Kontakt zu kommen. Der „Leitfaden für die vegane Großverpflegung“ steht kostenlos zum download zur Verfügung und gibt nützliche Tipps für Köche und Caterer. [9]

ALTERNATIVEN

Mit Erfolg: Die Nachfrage wächst stetig und es gibt reichhaltige Alternativen zu den Fleischgerichten. Beliebteste, vegane Gerichte in den Hochschulmensas sind laut dem Studiwerk Trier: vegane Burritos, Afrikanische Gemüsepfanne, Kartoffel-Pilzpfanne, mexikanische Reispfanne und Sojagyros.

Und auch jeder gut sortierte Supermarkt hat inzwischen eine ganze Reihe veganer Alternativen, wie Soja-, Reis- oder Haferdrink, Sojaschnitzel oder vegane Joghurts. Das bestätigt auch Longen vom Studiwerk: „[…] mittlerweile haben sich unsere Lieferanten auf den Bedarf eingestellt.“

Wenn ihr auch ein Teil des Wandels sein wollt könnt ihr einfach das nächste Mal in der Mensa nach der veganen Alternative fragen!

Hier gibt es die gesamte Ausgabe des Magazins “Campino” zum kostenlosen Download: Klick!

[1] Alleine in Deutschland sterben über 830 Millionen Tiere pro Jahr. Siehe auch: http://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung
[2] Siehe “Fleischatlas 2013” S.18f: „Der Speiseplan der Mittelschicht“
[3] Siehe: https://mediathek.fnr.de/tierfutter-uberwiegt-bei-der-verwertung-der-eu-getreideernte.html
[4] Glen L. Hartman, Ellen D. West, Theresa K. Herman: Crops that feed the World 2. Soybean—worldwide production, use, and constraints caused by pathogens and pests. In: Food Security. 3, 2011, S. 5–17. doi:10.1007/s12571-010-0108-x
[5] Siehe “Fleischatlas 2013” S.28f: „Ein Schlag ins Wasser“
[6] Studie der FAO: ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/010/a0701e/a0701e07.pdf (Kapitel 7, S. 271)
[7] https://www.facebook.com/groups/peta2StreetteamTrier/
[8] Siehe: http://studiwerk.de/eo/cms?_sprache=de&_bereich=artikel&_aktion=detail&idartikel=112659
[9] https://www.albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/leitfaden-vegane-grossverpflegung