Sorry I do not drink!

Der Spaß mit Alkohol – “tut mir leid – ich trinke nicht”

Es ist doch etwas absurd: In einer Zeit, in der um “Schockbildern” auf Zigarettenpackungen debattiert wird, vergessen wir scheinbar etwas, das mindestens genau so schädlich ist. Etwas, das schon seit Jahrhunderten genutzt wird und teilweise gar zum “guten Ton” gehört: Alkohol trinken.

Heute sehen “Raucherräumen” an Flughäfen und Dergleichen eher aus wie kleine Zellen für Menschen, denen die Sucht im Nacken sitzt. Steht man dort drin, fühlt man sich eingepfercht und begafft – geht man an ihnen vorbei, gafft man und schmunzelt hämisch darüber, wie diese armen Seelen doch die Zügel ihres Lebens scheinbar verloren zu haben scheinen (vorausgesetzt man ist ein hochnäsiger Narr, wie ich es oft war).

Doch früher gab es in jedem höher situierten Haus und beispielsweise auf der Titanic eine “Smokerlounge” oder auch “Fumoir” genannt. Dort zog man sich den Smoking über und redete (leider nur unter Männern) über jegliches Gewäsch, gab es aber später natürlich als “wichtige Gespräche über Religion, Kultur” usw. aus. Diese sogenannten Tabakskollegien gaben dem Genussmittel Tabak eine Art gesellschaftliche Akzeptanz (zugegebenermaßen eine sehr überbetriebene und von verfälschtem Klassendenken geprägte Akzeptanz). Sagen wir so viel: Man sah das Rauchen und die legere Einrichtung der Räume als Unterstützer einer gemütlichen Atmosphäre zum sozialen Beisammensein.

Alkohol hatte von jeh her einen ähnlichen, aber dennoch anderen Status: Bier galt zu Beginn des Brauens als “Gesundtrunk” – wurde sogar Kindern verabreicht – und ging schnell in den Alltagsgebrauch über. Dennoch verschönerte es so manchen Abend in kleiner und großer Runde oder bereitete den Herrschaften eine vorzügliche Fress- und Sauforgien.

Wenn heute jedoch jeden, verdammten Tag über 200 Menschen in Deutschland an Alkohol sterben, frage ich mich einfach immer wieder: “Wann hören wir damit auf, es einfach zu akzeptieren?” Doch die Antwort darauf ist recht simpel: Wir wollen nicht!

Was würde einem armen Mitmenschen denn noch als Ausstieg in eine andere Welt übrig bleiben, wenn wir ihm den Alkohol auch noch weg nehmen würden? Was würden all diese Kids machen, die sich in der S-Bahn schon um 22 Uhr am Samstagabend dermaßen die “Kante” gegeben haben, dass sie kaum laufen können und trotzdem den nächsten “Klopfer” mit einem schmerzverzerrten Gesicht runter spülen wie Wasser? Wie sollen wir sonst noch den Regenwald retten, wenn nicht mit Krombachers Aktion, die oft spaßig “Saufen für den Regenwald” genannt wird? Was könnte man sonst noch lustiges an einem gemeinsamen Abend mit Freunden machen, als ein tolles Saufspiel wie “Flunkyball” oder “Mensch Besauf Dich Nicht“?

Lassen wir ein paar Fakten hierzu wirken:

In Deutschlands Großstädten gehört Alkohol zum täglichen Bild: Egal, ob es 09:00 Uhr am Dienstagmorgen ist oder 21:00 Uhr am Samstag – die Pulle gibt es an jeder Straßenecke im “Späti” zu jeder Uhrzeit (außer vielleicht in München) und es gibt hier und dort sogar Bars, die 24 / 7 geöffnet haben und mit schummrigem Licht und Tanzmusik zum Trinken und Tanzen einladen.

Ist ja auch nicht schlimm: Wir brauchen Ablenkung und das Gefühl uns frei zu fühlen (übrigens auch die Werbung für einige Zigarettenmarken). Und Wein und Bier kann unglaublich gut schmecken und vor allem Ersteres ist oftmals eine echte Handwerkskunst. Ein Bier trinken am Abend mit Freunden? – Hell, yeah! Macht Ihr das doch ruhig, meine Freunde! Ich bin ganz sicher der Letzte, der irgendwem seinen Spaß verbieten will. Zumal ich genau weiß, wie toll es ist ausgelassen und halbwegs gedankenfrei zu feiern.

Der Punkt ist einfach, dass viele ihre Grenzen nicht kennen und ihren Liebeskummer, den Frust, die Selbstzweifel oder was auch immer nicht herunter spülen können – egal, wie viel sie trinken! Wie es so schön heißt: “Kenn Dein Limit.” – mehr braucht es nicht! Kein Verbot der Welt hat jemals Drogenkonsum erfolgreich eingeschränkt – im Gegenteil: Die Aufklärung und Auflösung von Stigmata hilft dabei viel besser!

Nochmal das Thema Tanzen: Ich brauche seit einiger Zeit dafür keinen Alkohol mehr – mal abgesehen davon, dass ich nicht denke, dass für ein wenig herum gehüpfe überhaupt wer ein Suchtmittel braucht. Ja klar, so eine kleine Mate oder Kola zwischendrin ist schon nicht schlecht, aber der Antrieb sich zum Horst zu machen kommt von Innen heraus.

Und genau an diesen “Horst” denke ich dabei, wenn ich an Alkoholleichen vorbeiziehe: Mein Leben hat sich nachhaltig verändert, weil ich gesehen habe, wie ein geliebter Mensch sich selbst Schluck für Schluck das Leben genommen hat. Seine Familie in Trauer und Zerissenheit hinterlassen hat. Er konnte nicht mehr anders weil es akzeptiert wird zu trinken. Es wird hingenommen, dass Alkohol Leben zerstören kann. Dieses verdammten Gesöff.

kleiner Hinweis: Ich beziehe mich hier oft auf Deutschland oder mir bekannte Regionen. Das heißt natürlich weder, dass mir die Situation in anderen Ländern nicht bewusst ist oder gar, dass sie mich nicht interessiert! Ich kann nur lediglich einen kleinen Teil mit dem Geschreibsel abdecken …