Schon der Tod von Michael Jackson, dem King of Pop, löste eine Tsunami-Welle in den Medien aus. Zunächst berichteten die Medien relativ sachlich über den Tod. Doch schon wenige Minuten später entstanden Berichte, die in Sondersendungen gezeigt wurden.
Michael Jackson hat einen Stern auf dem “Walk Of Fame”, war zu Besuch im Weißen Haus und war mit rund 750 Millionen verkauften Tonträgern der kommerziell erfolgreichste Musiker seiner Zeit.
Es war relativ klar, dass mit seinem Tod der große “Reibach” gemacht werden musste. Die Meldungen überschlugen sich, die Titelzeilen wurden immer weniger wahrheitsgemäß und aussagekräftig – die Hauptsache war, dass der Name “Michael Jackson” darin vorkam.
Natürlich steigerte sein Tod die Einschaltquoten und den Absatz seiner Musik enorm. Schade, wenn man bedenkt, dass der Mensch von vielen der Amerikaner stets mit einem schiefen Blick angeschaut wurde.

Rund 18 Menschen nehmen sich pro Woche auf deutschen Bahnstrecken das Leben. Quelle: pixelio
Robert Enke, Sportler
Der am 10.11.2009 verstorbene Robert Enke hat scheinbar das gleiche Potenzial – wenn auch nur national.
Er hatte einen Bekanntheitsstatus – keine Frage. Als ewige nummer Zwei war er jedoch bis jetzt bei Weitem nicht mit Glück und Öffentlichkeitsinteresse gesegnet.
Doch kaum nahm er sich tragischer Weise an einem Bahnübergang bei Elivese das Leben, wurden die Medien in jeglichen Branchen tätig: Sondersendungen wurden gezeigt, große Zeitungs- und Internetartikel wurden veröffentlicht – hiernach folgten Kommentare der deutschen Prominenz und der Fußballfans, die sich bestürzt über den Tod des Ersatztorhüters der deutschen Nationalelf äußerten.
Schienensuizid
Doch wer berichtet über die anderen Suizidunfälle auf deutschen Bahnstrecken? Rund 18 Suizidversuche wurden durchschnittlich pro Woche gezählt. Trotzdem schwiegen bislang die Medien darüber.
Durch dieses Nicht-Erwähnen sank die Anzahl der Selbstmorde auf Bahnstrecken und eine Konfrontation der Fahrgäste mit dem „Tod am Bahngleis“ wurde stets vermieden.
“In Wien gibt es seit über 10 Jahren ein „Gentlemen´s-Agreement“ zwischen den lokalen Medien und den Wiener Verkehrsbetrieben. Seit nicht mehr über Suizide in der Wiener U-Bahn berichtet wird, ist die Zahl der Selbstmorde um rund 50% gesunken. Auch im Pressekodex des deutschen Presserats verpflichten sich die Printmedien zu einer „zurückhaltenden Berichterstattung“ bei Suiziden – wenn das öffentliche Interesse an einem solchen Fall allerdings auch eine wirtschaftliche Komponente beinhaltet, gelten derlei hochmoralische Schwüre in der modernen Presselandschaft allerdings offensichtlich nicht mehr.”
So heißt es bei SPIEGELFECHTER.com 
Wer berichtet über den Lokführer? Wer berichtet über den Notarzt, über die Rettungskräfte oder über das Wartungspersonal der Bahn? Welche Presseagentur wagt sich und schreibt über den Tod eines Jungen, der sich für den Freitod auf einer Bahnstrecke entschieden hat?
Niemand.
„Der Zug von X nach Y hat zwei Stunden Verspätung“, so lautete vermutlich auch die Durchsage zu dem Zug, der Robert Enke erwischte. – Und es wurde nicht geschwiegen. Hier wurde eine große Welle geschlagen und der Suizid eines prominenten Deutschen gelangte auf die Titelseiten.
Das entgegen des „Gentlemen’s Agreement“. Hätte es nicht gereicht zu schreiben: „Robert Enke, Nationaltorwart, wurde heute von einem Zug erfasst.“?
Oh nein! Das wirtschaftliche, profitgierige Denken der Medienkonzerne hat sicherlich einer solch kurzen Postum-Berichterstattung den Garaus gemacht.
“Interessante” Links zum Thema:
SPIEGELFECHTER – Der Freitod eines Torwarts und die Ethik 
FOCUS – SUIZID: Die Lok hochheben – ein Bericht über einen Lokführer 
FOCUS – Robert Enke – Der Tod, der Müll und die Quote 